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Sommerzeit ist Knipsezeit

Sommerlust



Als neulich erst die Fotografien neu geordnet und installiert werden mussten, unser Betriebssystem verlangte danach, fiel mir auf wie lange wir schon seit aufblitzenden Lämpchen zum Standfoto aufgereiht, nun in wenigen Minuten nebenher oder auch Stunden in Schuhkartons sortiert, uns an solchen Erinnerungen erfreuen. Allmählich sind viele Ablichtungen von ihnen verblasst, so wie unsere Erinnerungen nur noch diesen bedeutsamen Moment jenen Augenblicks zusammenzufügen vermögen. Dennoch berühren sie uns wieder, zumeist mit einer leichten Gänsehaut, die uns in einer unwilligen Peinlichkeit überzieht, aber auch mit manch einem warmen Gefühl oder gar mit einem Lächeln, welches zu einem Lachen wie einst wird, als wir diese Fotos machten.
Einige der Menschen sind längst von uns gegangen, andere gerade in ihren besten Jahren herangewachsen. Einige der uns besonders Nahen haben wir immer wieder mal mit neuen Informationen in unseren Gedanken, und wissen wir oft von ihrem weiteren Lebensweg seitdem. Einige sind uns weit weg und können wir kaum mehr als einen Schatten an sie erinnern.

Meine frühestem Fotografien sind, wie damals üblich noch auf teuren Rollfilmen aufgenommen, mit dem ersten Fotoapparat, einer unförmigen Kastenbox mit Lochblende, die nur schwarz-weiß konnte. Und ich in ungeduldiger Erwartung mit Vorfreude auf ihre Entwicklung eine volle Woche zu warten hatte. Und der sicheren Enttäuschung allmählich etwas mehr Sachlichkeit folgte.
Spätere Aufnahmen mit halbautomatischen Kameras haben mit den Reisen in Europa und Unterwegs dann die verdunkelten Diashows auf Leinwänden ermöglicht, zu denen man Freunde eingeladen hatte, um sich die gemeinsamen Erlebnisse anzuschauen. Und bestimmten sie den weiteren Verlauf des Abends solcher Gemeinsamkeiten mit schnellen Wechseln der Rähmchen im Projektor, die in ebenso wechselnden heftigen Erinnerungen in allen Anwesenden hervorgebracht wurden.

In der heutigen Knipsezeit allerdings sind solche Eindrücke eine Seltenheit geworden, sind unzählige Zeitmomente mit täglichen Selfies an die Freunde geschickt sogleich wieder gelöscht, und vermutlich manche Gunst im lächelnden Antlitz unter den Schätzen sogleich wieder verloren gegangen.
Gegensätzlich dazu ist zunehmend die Fotografie den beruflichen Fotografen ein Kunstverständnis geworden, die jedes werdende Leben ins rechte Licht zu versetzen verstehen, und jedes reifere Alter in wundervolle Faltenlandschaften der etlichen Lebensjahre. Angesichts der flüchtigen Gegenwart bewahren wir unsere Freuden in bleibenden Erinnerungen so lange wir können.

Ihnen schöne Momente und Motive
Andreas H. Scheibner