Zeitweilig im Frieden
Aufgewachsen mit der Überwachung, die Mauer um Berlin war nur zuweilen passierbar, lernten wir innerhalb der Grenzen unseres Daseins die Freiheit zu schätzen. Und flüchteten wir so oft es uns möglich wurde in den Abenduntergang hinüber der weit, weit rotgolden vor uns den Horizont erleuchtete. Mit den Jahren wachten über uns die ersten Satelliten, gelegentlich auch ein Airwayflugzeug und vor dem Todesstreifen zumeist die Grenzpolizei. Zu der sich viele Berliner verpflichtet fühlten, obwohl sie vom Wehrdienst freigestellt waren wie ganz Berlin.
Die Vereinten Nationen der UN waren damals die Eiligen, wenn es um den Status und die Ordnung der Länder ging, und wurde in den Jahren der heftigen Spannungen zwischen Ost und West die DDR zeitweise ein kommunistischer Vasallenstaat unter Herrschaft zu Moskaus Diktator Stalin. Von den UN zugleich anerkannt, und bedenklich nahe beieinander gab es nun zwei Deutschland. Die Weltstaaten sahen darin ihre Entspannung vor den atomaren Bedrohungen, die damals den Zeittakt der Gespräche bestimmten. Deutschlands Führungen aber, und der Westen der Nachbarstaaten, befanden sich in einem Dilemma der inneren Politik darum, denn Europas Gemeinschaft war nach und nach dabei sich zu erklären.
Aber schauen wir auch auf die sonstigen Bemühungen der UN, der Vereinten Nationen in der Vollversammlung, die damals wie heute ihren ersten Sitz in New York hat. Vor dem Hauptgebäude steht ihr berühmtes Denkmal, ein Revolver mit einem verbogenen Lauf, der symbolisch die Gewaltlosigkeit vorzeigt. Tatsächlich waren im Berlin jener Zeit Waffen solcher Art generell privaten Bürgern verboten, und gab es auch kaum Gewalt mit Schusswaffen durch welche Menschen hätten zu Schaden kommen können. Ein Jagdgewehr aber machte damals dennoch Furore, als der bekannte Boxer Bubi Scholz damit seine Frau erschoss.
Kurz nach der Perestroika, der Neugestaltung in den russischen Republiken, die mit dem russischen Präsidenten Gorbatschow begann, kam es zum Krieg in Jugoslawiens Ländern. Trotz aller Bemühungen der Diplomatie auch deutscher Politiker zuvor doch noch eine friedliche Übereinstimmung in der räumlichen Teilung zu finden, konnten die etlichen Kämpfe zwischen den Volksgruppen der Christen und Muslimen nicht verhindert werden. Aufseiten der Muslime kämpfte damals ein Kommando des berüchtigten Feldherrn Osama Bin Laden in den bosnischen Landesteilen. Die ersten wenigen Soldaten der UN und NATO in einer eingerichteten Schutzzone aus aller Welt dort stationiert, eher Wächter und Beobachter als kriegerische Kämpfer, standen hilflos dieser Gewalt gegenüber.
Nach der Besetzung einer Basis der UN und Schutzzone in Srebrenica durch die Serben begingen in den folgenden Tagen nach dem 11. Juli 95 serbische Truppen die schwersten Massaker des Krieges an der Zivilbevölkerung. Es erging im weiteren Verlauf der Kämpfe ein Mandat den Weltländern diesen Krieg mit aller Einsatz und Gewalt zu beenden.
Was im Einsatz der NATO auch tatsächlich gelang, und heute viele kleine Einzelstaaten der historischen Ethnien im Balkan zur Folge hat. Deren einstige Gemeinsamkeit ein Krieg der inneren Zerwürfnisse wurde. Und vermutlich eine verbindliche Einsicht hierzu erst in den Zeiten der Generationen folgen wird.
Nur wenige Jahre vergingen, und es kam zum Attentat der Gruppe um Osama Bin Laden in New York, bei dem die damaligen Wahrzeichen Nordamerikas zerstört wurden und viele Menschen starben. Die Vereinten Nationen erließen wiederum ein Mandat um die Freischärler und Bin Laden in Afghanistan zu fassen, der sich mit radikalen Muslimen in diesem Land einen eigenen Staat errichten wollte. Afghanistan wurde von den USA mithilfe der Weltländer besetzt. Die radikalen Muslime aber zerstreuten sich und gründeten in umliegenden Ländern neue Zellen, um dort die Menschen im Namen des von ihnen ausgelegten Koran zu unterdrücken. Es wurden systematisch vielfach Kurden und andersgläubige Bevölkerungen ermordet, viele Frauen und Kinder versklavt.
Die soldatischen Einheiten der UN zogen sich aus Afghanistan wieder zurück und hinterliessen die Ungewissheit. Die UN wandte sich nun vermehrt Hilfsorganisationen zu, die in Afrika vielfach in Notstandsgebieten mit flüchtigen Bevölkerungen zu tun bekamen, da im Jemen, im Kongo, in Äthiopien und im Sudan immer wieder Waffengarden der kurzzeitigen Warlords in den Dörfern und Landesteilen Kriege um begehrte Rohstoffe führten. Deren stetigen Kämpfe nicht oder kaum zu verhindern waren, da die Bevölkerungsteile alte Stammesrechte für sich in Anspruch nahmen und sie gegen Rohstoffe wie Gold oder Edelmetalle anscheinend immer genug Waffen käuflich zur Verfügung bekamen. Einige der Offiziere von Kindersoldaten sind derzeit in Den Haag vom Internationalen Gerichtshof angeklagt.
Im Norden Afrikas kam es zum widersprüchlichen Kriege der USA gegen den Irak, ein Antrag der von den UN mit Vorsitz des Kofi Annan abgelehnt wurde und aus dem der freischaffende Journalist Julian Assange in öffentlich gemachten Protokollen berichtete. Und stellte Frankreich in seinem Krieg gegen Libyen seine Soldaten auf um die gefürchteten Machthaber dieser beiden Staaten ohne vorheriges Mandat in der Zustimmung der Vereinten Nationen in einem Blitzkrieg zu entmachten. Diese Regionen Nordafrikas und einst selbstständigen Länderreiche sind heute zerfallen und von ehemaligen Generälen in den Landesteilen regiert.
Polen und Georgien, Lettland und Estland erklärten ihre Souveränität in Unabhängigkeit von Russland und erhielten auf ihren Antrag hin europäischen Status als Beitrittsländer. Ungarn, Rumänien und Bulgarien schlossen sich ihnen wie die anderen Balkanländer nach und nach an. Europas Zusammenschluss versteht sich im Willen des dauerhaften Friedens ihrer Völker über möglichst Jahrhunderte.
In Syrien begann der Aufstand gegen die autoritäre Monarchie des Landes und ein zunächst verlorener Kampf darum führte zur Flucht der Bevölkerung. Der derzeitige Konflikt im Donbas um die Autonomie und Selbstbestimmung des Volkes in der Ukraine folgt international unterzeichnetem Grundrecht auf die eigene Existenz und Kultur der Völker und geschieht er derzeit wie der begrenzte Konflikt im Gaza Israels mit den Palästinensern, wie schon in Jahrtausenden mit Israeliten dieser Ländergeografien in ständiger Fehde.
Entfernt vom Kernland Europas Gemeinschaft zeichnen sich die Gewalten des Menschen ihrer Selbstachtung immer wieder durch einen ungebrochenen Willen der Jugendlichen aus. Denn die Unterdrückung der eigenen intellektuellen Bevölkerung in der praktischen Gleichgültigkeit der Übermacht wirkt sich generativ zugleich stärker und unbeugsamer aus als jede diplomatische Vermittlung vorher und nachher, wahr oder unwahrscheinlich einen Frieden ohne Gewalt versprechen und halten könnte. Die Weltrevolutionen und Bürgerkriege, Aufstände und Umstürze der Vormacht haben sich letztlich immer von ihrer willkürlichen Herrschaft befreit.
Gelebtes Leben ist mit der Erfahrung immer der Widerspruch zur äußeren herangetragenen Gewalt, zu den Zuständen in der Voraussicht und auch zu sich selbst. Die Mutigen kämpfen darum im Widerstand, die Feigen passen sich an, die Hilflosen unterwerfen sich und die Gerechten befinden sich verzweifelt in ihrer Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden.
A.H.S.
